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Wo geht’s hin, Ev?

Entschleunigen, entrümpeln, Fokus setzen.

Ich blogge jetzt über sieben Jahre. Es heißt ja landläufig, dass man/frau/wasauchimmer alle 7 Jahre eine Veränderung durchlebt. Für dieses Blog steht eine Entscheidung an. Weitermachen, einstampfen, neu anfangen … ich weiß nicht wohin.

Mein Mann möchte mir Mut machen und sagt “Verabschiede dich nett, setz einfach einen Schlussstrich, zieh den Stecker und warte ab, was kommt. Vielleicht fängst du ja auch wieder neu an, vielleicht auch nicht.” – und irgendwie hat er recht. Da ist ja auch noch ravelry und meine Kolumne bei der Drachenwolle, ich bin ja nicht aus der Welt, wenn ich bloglos bin, wäre, wieauchimmer.

Vom ersten Tag an habe ich primär für mich geschrieben. Wenn man so will: Ja, das Schreiben an sich hat einen gewissen therapeutischen Effekt. Es war mir noch nie wichtig, wie oft ich angeklickt werde, von wem, ob und auf welcher Hitliste ich geführt werde, ob, warum oder weshalb es eine Statistik gibt oder nicht. Ob man mich mag oder nicht. Genau so wenig war und ist es wichtig für mich, ob ich in irgendwelche Kategorien passe. Ich stricke gerne. Ich lese gerne. Ich fotografiere gerne. Ich schreibe gerne. Ich koche und backe gerne. Ich lebe gerne. Und ich könnte noch endlos solche Feststellungen treffen. Aber ich frage mich auch immer wieder, welche Wertigkeit all das für mich hat. Was es über mich aussagt, was und wie ich etwas sage. Eines kann ich ganz klar beantworten: Das Blogleben ist nur ein klar abgegrenzter Faden meines Lebens. Ich überlege sehr genau, was und wie ich schreibe. Das steht im Gegensatz zu meiner Bloganfangszeit, da hab ich einfach geschrieben, was mir in den Sinn kam, heute ist das definitiv nicht mehr so. Wieviel darf, soll, möchte ich preisgeben? Schreibe ich nur über nettes, schönes, gefälliges? Oder auch dann, wenn ich wütend bin, verletzt, Angst habe? Ersteres: Ja, Letzteres: Nein, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass ich nicht mit all meinen Facetten für jedermannfrau identifizier- und klassifizierbar sein möchte. 1 1/2 Jahre meines Bloglebens sind ja schon einmal spurlos im Internetnirvana verschwunden. Zu Beginn hat das sehr weh getan, am stärksten deshalb, weil genau in diesen Zeitraum das Sterben meines Vaters fiel und ich das Gefühl hatte, so einen unwiederbringlichen Teil von ihn noch einmal zu verlieren, was natürlich Quatsch ist, denn nicht er hat in dieser Zeit darüber geschrieben, sondern ich.

Auch ich bin endlich und möchte ich dann mehr als die üblichen und normalen virtuellen Spuren hinterlassen? Ich will schon kein “normales” Grab auf einem “normalen” Friedhof. Keine Bange, ich bin nicht depressiv, will noch viele Jahre noch viel mehr lernen und erleben, nachdenken aber, das tue ich trotzdem und ich empfinde das auch als wichtig.

Wenn man aufräumt, soll man Sachen, die man schon lange nicht mehr in der Hand hatte, einfach loslassen, sich bewusst auf wichtiges konzentrieren und reduzieren. Mein Mann und ich, wir räumen seit einigen Tagen auf, dass meine Bloggedanken nun auch unter diesen Aspekt fallen, war so nicht von mir geplant, aber letztendlich betone ich ja auch immer wieder – und bin davon überzeugt – dass es keine Zufälle gibt. Ich kann nicht jede Zeichnung meiner Kinder aufheben, schon gar nicht, wenn sie sie nicht aufheben würden. Würde ich das doch machen, würde ich irgendwann vollkommen den Überblick über das verlieren, was ich habe. Loslassen, das ist etwas, was für mich noch nie leicht gewesen ist, was damit zu tun hat, was ich in meinem Leben erlebt habe.

In den letzten Tagen habe ich so einiges losgelassen und ich werde damit weitermachen, indem ich meinen allerersten Blog löschen werde. Ich weiß, wer ich bin, was ich gemacht habe und es gibt keinen Grund, noch weiter an ihm festzuhalten.

Ich habe ein bischen herumprobiert, was möglich wäre, für einen neuen Blog. Vielleicht lasse ich wirklich die sieben Blogjahre vorher ganz los, fange einfach “neu” mit der Bloggerei an. Vielleicht auch nicht.

Ich weiß es einfach nicht.

Neppi

Es gibt Vornamen, die grenzen an Körperverletzung.

Wirklich passiert:

Kollegin und ich unterhalten uns. Ein Mann mit Kind auf dem Arm, etwa 8 Monate alt (das Kind, nicht der Arm), kommt durch die Tür, wird von der Kollegin begeistert begrüßt und es stellt sich heraus, dass er ihr heute ganz stolz zum ersten Mal seinen Stammhalter vorstellt.

Kollegin: “Oh, der ist aber süß! Wie heißt er denn?”

Mann: “Nepomuk.”

Kollegin und ich gucken uns an, versuche, meine Gesichtszüge nicht entgleisen zu lassen.

Kollegin (ungläubig): “Nepomuk?”

Mann (begeistert): “Ja! Wir fanden den Namen so witzig!”

Da fällt einem doch nichts mehr ein.

Nepomuks Geburtsanzeige wäre ein Kandidat für Chantalismus gewesen.

Nix mit lustig …

Schwarz/Weiss

Auch in Schwarz/Weiss sind die Helden meiner Träume bunt.

In der Ausgabe Januar 2012 des Apotheken Senioren Ratgebers findete sich der Artikel “Die neue Woll-Lust mit dem Protrait dreier Frauen, ihrem Hobby Stricken und den verschiedenen Denkansätzen dahinter:

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- Margot von Borch, 95, strickt auch heute noch so, wie sie es schon in ihrer Kindheit erlernte: Das Stricken entspannt sie, sie strickt für sich und ihre Familie und da sie Strickanleitungen in Handarbeitszeitungen oft gar nicht versteht, strickt sie auch heute noch aufwändigste Muster einfach aus dem Kopf heraus.

- Ute Jonetat, 63, bringt mit ihrer farbenfrohen Strick-Graffitti kleine Stücke zivilen Ungehorsams nicht nur in ihr Leben, geht dadurch mit anderen Augen durch die Welt und bereichert sie so.

- Renate Werner, 80, gründete vor Jahren, ausgelöst durch die Krebserkrankung ihres Enkels, eine Elterninitiative und geht auch heute noch im karitativen Stricken für kranke Kinder voll und ganz auf.

Drei tolle interessante Frauen, die mit beiden Beinen im Leben stehen, die zeigen, dass Stricken ganz und gar nicht nur Hippstern steht und dass sich Kreativität wie ein roter Faden durch ihre Leben zieht.

Neidköpfe

In unserem Dorf steht ein leider schon seit viele Jahren unbewohntes und doch sehr schönes altes Fachwerkhaus.

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Ich würde es mir zu gerne einmal in seiner Gesamtheit ansehen, da schon von außen her sehr viel an ihm zu entdecken ist, wie z. B. diese Neidköpfe:

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Ob die drei Handwerkszeuge unter dem Neidkopf am Längsbalken davon berichten, dass in diesem Haus ein Tischler, Dreher, Holzhandwerker lebte?

Es wäre sehr traurig, wenn es weiter so vor sich hinbröckeln würde, ohne dass sich jemand findet, der es vielleicht doch erhalten können und wieder mit Leben erfüllen würde.

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Auswellgedanken

Küchentechnisch bin ich eher Grob- als Feinmotorikerin.

Ich koche, backe, esse, sehe manche Kochsendungen äußerst, lese Kochbücher und -blogs gerne. Und ich denke gerne drüber nach, über das Essen an und für sich, seine Geschichte, seine Entwicklung, seine Bedeutung. Lerne und schreibe sehr gerne darüber.

Essen war schon immer ein wichtiges Thema in meinem Leben. Seit frühester Kindheit in den 60ern bin ich Allergikerin, glücklicherweise erst mal nicht so deutlich bei Lebensmitteln, aber wenn auch das bei mir damals schon so gewesen wäre wie heute, hätte mein Leben auch keine andere Wendung genommen. Damals war das Wort “Allergien” noch nicht in aller Mund, es reichte, dass ein Arzt festgestellt hatte, was mein Problem ist. Fertig war`s und weiter wurde darum kein Gewese gemacht. Hatte ich mal Probleme beim Essen, dann hieß es “sei nicht so hysterisch” und ging es mir nach gewissen Tellerfüllungen schlecht, dann blieb mir auch weiterhin nichts anderes übrig, als diese immer wieder zu leeren, denn Schwachheiten, die durften sich nicht erlaubt werden. Anyway, diese verschüttete Milch ist schon so angetrocknet, dass es da nichts mehr aufzuwischen gibt, deshalb ist es auch müßig über die Vergangenheit nachzudenken. Ohne diese Jahre wäre ich nicht die, die ich bin. Gut so.

Seit meiner ersten eigenen Wohnung habe ich Küchengerätschaften immer nur unter dem Aspekt “geht nicht gibt’s nicht” betrachtet und war davon überzeugt, dass mir die einfachste Variante derselbigen reicht, um zu den Ergebnissen zu kommen, die ich haben wollte.

Was das mit meinen Allergien zu tun hat? Viel. In den letzten Jahren änderten sich meine allergischen Reaktionen in einer Art und Weise, die ich zu Beginn erst mal nicht als solche registrierte. Kein Gewese zu machen, war mir so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sah. Den Weg von dort bis heute erspare ich mir hier, mit die wichtigste Erkenntnis aber blieb als Ergebnis: “es gibt nichts Gutes, außer man tut es” und so fing ich an, mit dem Umdenken, Anderssehen und allem anderen, was dazugehört, wenn man über den Balken in den eigenen Augen hinausgucken möchte.

Blieb nicht aus, dass auch Begehrlichkeiten geweckt wurden. Hach, dachte ich mir, eine KitchenAid, die muss gut sein, die sieht man überall. Zwei, drei Jahre saugte ich alle Informationen über sie auf, die ich entdecken konnte. Aber nicht nur über sie, denn Stiftung Warentest sei Dank, eröffneten sich mir ganz neue Küchenwelten … und die KitchenAid geriet mir darüber irgendwie ein bischen ins Hintertreffen. Am Schluss blieb sie als gedankliches Objekt der Begierde übrig, gefolgt von, natürlich in ihrer Geräteklasse, Bosch und Kennwood. Nach der Theorie kommt die Praxis und da wurde mir dann ganz schnell klar, dass aus mir und der bonbonfarbigen Küchenfee oder der klobigen Boschmatrone in diesem Leben nichts mehr werden würde. Guter Planung, Weihnachten und Geburtstag sei Dank, ich hab mein Küchenglück gefunden und meine Küchenfee fängt mit K an wie enwood und Küchengöttin und steht seit letzer Woche in meiner Küche.

So langsam taste ich mich nun an Sachen heran, bei denen es mich nun nicht mehr wundert, dass das z. B. mit mir und dem Hefeteig nie so wirklich funktionieren wollte. Ich hab meine Hände nicht gerne im Teig, vor allem dann nicht, wenn er dran bappt und Auswellen mag ich auch nicht gerne, vor allem, wenn’s auch dabei bappt.

Gestern stieß ich bei der Hedonistin auf ihren Beitrag zum Zupf-Schuedi und von dort direktemang zu dessen Ursprung in Paules Ki(t)chen. Klar, was heute folgte:

Ich befüllte meine Küchengöttin, ließ sie kneten, hielt mich ansonsten genauestens an alle Vorgaben, erhielt eine sanfte, oh Wunder nicht bappenden Teigkugel, die sich prächtigst auswellen ließ, bepinselte mit Butter, sprenkelte ein Zucker-Ginger&Bread-Gemisch darüber, schnitt und stapelte und befüllte eine Kastenkuchenform:

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Deutlich zu sehen meine oben angesprochenen grobmotorischen Fähigkeiten.

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Kuchenglück durch Küchenglück!

Fluffig, knusprig, flaumig, herrlich warm lecker!

Und nächstes Jahr: Fotoglück …

Diversion

Übersetzt aus dem Englischen: Abwechslung, Kursänderung, Umleitung.

Meine Diversion-Socken sind fertig und bei all den verkürzten Reihen passt ihr Name perfekt.

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Liebe Annie, Garn und Strickbefehl passen perfekt zusammen! Gestrickt in diesem Muster habe ich allein den Schaft, da mir die Socken am Fuß sonst zu weit geworden wären. Meine Variante gefällt mir ganz gut, so weil der Fuß so sehr schön beringelt ist.

Technische Daten:
Anleitung = Diversion Socks
Garn = “Seerosentiger” vom März 2010 von der Drachenwolle
Nadeln = Nadelspiel KnitPro Cubics, 2,5 mm

62. Dienstagslied

“Tales of Men” von Akua Naru feat. African Footprint

Margaret-Hommage

Was passiert, wenn zwei kongenial kreative Frauen, nämlich Christiane Schelling – Drachenwolle – und Monika Eckert – Klabauterwolle – ihrer Leidenschaft für Bildungsfernsehen – aka Margaret Rutherford – aka Miss Marple, frönen, ist eine herrlich tragbare Hommage an die Grande Dame der Krimi-Kunst:

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Die Strickpackung für das Cape Margaret ist wahlweise in Merino, Tweed und Babyalpaka erhältlich, für das ich mich in meiner Teststrickerei in der Farbe Silbergrau entschieden habe:

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Gesrickt werden kann es in drei Versionen: Klein, Mittel, Groß, ich habe mich für Mittel entschieden.

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Ganze fluffige 642 Grämmchen, natürlich inklusive der drei alten Wappenknöpfe aus dem Knopfschatz meiner Oma und meiner Mutter, wiegt meine Version.

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Margaret trägt sich gut nicht nur bei investigativen Ermittlungen, sondern in allen Lebenslagen.

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Dabei ist es vollkommen egal, welches Alter die Trägerin hat oder über welches Volumen sie verfügt. Turban, Hut oder Mütze, Strumpfhosen, Beinkleider, Pullover, Tops & Blusen, Twinsets jeglicher Art und Röcke in allen Längen lassen sich gerne mit ihr sehen und kombinieren. Egal, ob mit oder ohne Gehstock, zur Arbeit, dem Tee mit der Freundin oder zur Debatte im Dienstags-Klub – Margaret passt dazu!

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Meine Urgroßmutter, die stolze Elbkahnschiffertochter, hatte ein hartes Leben.

Erst verlor sie sehr früh ihre Mutter, dann ihren Vater, wurde so schon in ihrer Kindheit zu eltern- und geschwisterlosen Vollwaise. Herumgeschoben bei irgendwelchen Verwandten, bis es keine finanziellen Mittel mehr gab und sie für ihren Lebensunterhalt arbeiten musste.

Sehr früh und rasch hintereinander bekam sie fünf Kinder, verlor ihren Mann im 1. Weltkrieg und blieb Witwe bis an ihr Lebensende. Sie lebte bis zur Vertreibung und danach wieder bei der Familie meiner Oma. Sie bestand darauf, dass ihr Schwiegersohn, mein Opa, sie siezte bis zum Schluss. Für meine Mutter war sie pures Glück, sie sorgte dafür, dass ihre Kinder- und Jugendzeit einigermaßen erträglich und in der ausschließlich mit ihr verbrachten Zeit voll kleinen Genüssen war.

Sie starb, bevor ich geboren wurde.

Es gibt einige Bilder und ganz wenige kleine Dinge, die an sie erinnern.

So etwas wie ihr beinerne Stricknadel, die leider nur noch ein Einzelstück ist:

Strickgeheimn m Uro 001

Als Kopf wurde irgendeine Masse um ihr eines Ende geknetet, das die Zeit rotbraun und rissig werden ließ:

Strickgeheimn m Uro 002

Harz? Wachs?

Schade, dass es von ihr keine Antwort darauf gibt.

Ist im Grunde genommen auch nicht wichtig. Viel wertvoller ist, dass sie sich gut anfühlt, die Nadel, die kompakt, ganz glatt und recht gewichtig in meinen Fingern liegt.

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