Wo geht’s hin, Ev?
23. Januar 2012 von Ev
Entschleunigen, entrümpeln, Fokus setzen.
Ich blogge jetzt über sieben Jahre. Es heißt ja landläufig, dass man/frau/wasauchimmer alle 7 Jahre eine Veränderung durchlebt. Für dieses Blog steht eine Entscheidung an. Weitermachen, einstampfen, neu anfangen … ich weiß nicht wohin.
Mein Mann möchte mir Mut machen und sagt “Verabschiede dich nett, setz einfach einen Schlussstrich, zieh den Stecker und warte ab, was kommt. Vielleicht fängst du ja auch wieder neu an, vielleicht auch nicht.” – und irgendwie hat er recht. Da ist ja auch noch ravelry und meine Kolumne bei der Drachenwolle, ich bin ja nicht aus der Welt, wenn ich bloglos bin, wäre, wieauchimmer.
Vom ersten Tag an habe ich primär für mich geschrieben. Wenn man so will: Ja, das Schreiben an sich hat einen gewissen therapeutischen Effekt. Es war mir noch nie wichtig, wie oft ich angeklickt werde, von wem, ob und auf welcher Hitliste ich geführt werde, ob, warum oder weshalb es eine Statistik gibt oder nicht. Ob man mich mag oder nicht. Genau so wenig war und ist es wichtig für mich, ob ich in irgendwelche Kategorien passe. Ich stricke gerne. Ich lese gerne. Ich fotografiere gerne. Ich schreibe gerne. Ich koche und backe gerne. Ich lebe gerne. Und ich könnte noch endlos solche Feststellungen treffen. Aber ich frage mich auch immer wieder, welche Wertigkeit all das für mich hat. Was es über mich aussagt, was und wie ich etwas sage. Eines kann ich ganz klar beantworten: Das Blogleben ist nur ein klar abgegrenzter Faden meines Lebens. Ich überlege sehr genau, was und wie ich schreibe. Das steht im Gegensatz zu meiner Bloganfangszeit, da hab ich einfach geschrieben, was mir in den Sinn kam, heute ist das definitiv nicht mehr so. Wieviel darf, soll, möchte ich preisgeben? Schreibe ich nur über nettes, schönes, gefälliges? Oder auch dann, wenn ich wütend bin, verletzt, Angst habe? Ersteres: Ja, Letzteres: Nein, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass ich nicht mit all meinen Facetten für jedermannfrau identifizier- und klassifizierbar sein möchte. 1 1/2 Jahre meines Bloglebens sind ja schon einmal spurlos im Internetnirvana verschwunden. Zu Beginn hat das sehr weh getan, am stärksten deshalb, weil genau in diesen Zeitraum das Sterben meines Vaters fiel und ich das Gefühl hatte, so einen unwiederbringlichen Teil von ihn noch einmal zu verlieren, was natürlich Quatsch ist, denn nicht er hat in dieser Zeit darüber geschrieben, sondern ich.
Auch ich bin endlich und möchte ich dann mehr als die üblichen und normalen virtuellen Spuren hinterlassen? Ich will schon kein “normales” Grab auf einem “normalen” Friedhof. Keine Bange, ich bin nicht depressiv, will noch viele Jahre noch viel mehr lernen und erleben, nachdenken aber, das tue ich trotzdem und ich empfinde das auch als wichtig.
Wenn man aufräumt, soll man Sachen, die man schon lange nicht mehr in der Hand hatte, einfach loslassen, sich bewusst auf wichtiges konzentrieren und reduzieren. Mein Mann und ich, wir räumen seit einigen Tagen auf, dass meine Bloggedanken nun auch unter diesen Aspekt fallen, war so nicht von mir geplant, aber letztendlich betone ich ja auch immer wieder – und bin davon überzeugt – dass es keine Zufälle gibt. Ich kann nicht jede Zeichnung meiner Kinder aufheben, schon gar nicht, wenn sie sie nicht aufheben würden. Würde ich das doch machen, würde ich irgendwann vollkommen den Überblick über das verlieren, was ich habe. Loslassen, das ist etwas, was für mich noch nie leicht gewesen ist, was damit zu tun hat, was ich in meinem Leben erlebt habe.
In den letzten Tagen habe ich so einiges losgelassen und ich werde damit weitermachen, indem ich meinen allerersten Blog löschen werde. Ich weiß, wer ich bin, was ich gemacht habe und es gibt keinen Grund, noch weiter an ihm festzuhalten.
Ich habe ein bischen herumprobiert, was möglich wäre, für einen neuen Blog. Vielleicht lasse ich wirklich die sieben Blogjahre vorher ganz los, fange einfach “neu” mit der Bloggerei an. Vielleicht auch nicht.
Ich weiß es einfach nicht.

















