Als ich gestern nach Hause kam, hatte Herr Ev Kinokarten reserviert. Für Avatar in 3D.
Viel gehört hatten wir in den letzten Wochen darüber, das älteste Kind war schon drin, kam begeistert wieder heim. Nun wollten wir selber im Bilde sein.
Ich hab da jetzt erst mal eine Nacht drüber schlafen müssen über die Eindrücke, die da auf mich einströmten. 3D habe ich immer wieder mal in Filmform gesehen, wobei vor vielen Jahren Andy Warhol’s Frankenstein den absoluten Tiefpunkt bildet und wohl auch für immer bilden wird.
Nün ja, wo fange ich an? Vielleicht bei “edel sei der Wilde, hilfreich und gut”? Bei David gegen scheinbaren Goliath? Bei den Aborigines, den Nordamerikanischen Ureinwohnern oder allen allen nativen Völkern, denen wir aufgeklärten Neuzeitler immer wieder ihre Daseinsgrundlagen wegnahmen, ausbeuteten, zerstörten und – by the way – immer noch kräftig dabei sind!?
In dieser Geschichte sind wir die Aliens, die bösen Cowboys quasi und die Na’vi die blaue Version der Indianer, die hier zum Glück nur verloren scheinen.
Das Böse kriegt ordentlich eins auf die Mütze, wobei ich sagen muss, dass der Böse an sich schon ‘ne echt fiese und zähe Sau ist.
Solange Kawazkawamm in einer gut unterhaltenden Geschichte untergebracht ist, habe ich nichts gegen Knall und Kampf – gehört halt in diesem Genre dazu und die Version eines blauen Gandhi wäre wohl auch nicht so erfolgreich an den Kinokassen. Mit einer solchen Einstellung bekommt man keinen Nobelpreis und wohl erst recht keinen Oscar vom Butterbrot gezogen.
Ich will im Kino unterhalten werden und das wurde ich. Nicht von der Story und dem Plot an sich, aber von der liebevollen Ausstattung des Sets. Wunderschön, diese leuchtende Welt, nicht nur, aber ganz besonders verzaubernd in der Nacht, wunderschön auch die angsteinflößensten Kreaturen, das sonst auch nicht immer die Regel. Ich saß im Sessel, die schwarze Brille über meiner eigenen, hörte auf zu denken, staunte nur noch, nahm auch nicht mehr wahr, ob das jetzt 3D war oder nicht, versank einfach nur in den Bildern.
Und diese wuchtigen Bilder aus phantastisch kreativer Vielfalt sind es auch, die Avatar für mich absolut sehenswert machen und es schafften, mich in über 161 Minuten nicht einmal an meinen Hintern im Kinoplüsch denken zu lassen.
Ganz ehrlich: für mich ist es nicht der intellektuelle Hintergrund hinter einem guten Film oder einem guten Buch, die für mich zählen, sondern einzig und allein die Tatsache, an einem gut erzählten Märchen teilhaben zu können, denn gute Märchen sind und bleiben etwas für das Kind in mir. Und dass in Wirklichkeit die Indianer die Sieger gewesen und geblieben wären, das war sowieso schon immer mein Wunsch.
Reingehen!