Für Frau Blaseblog:
Suppe
Exotischer Duft geatmet
Meine Nüstern kosend
In erlesenem Vorspiel
Lippen brennend geküsst
Meine spitze Zunge
In deiner Nässe
Kehle Nerven berieselnd
Sachtes Erbeben Erschauern
Wollüstig gieriges Saugen
Voll hastigem Tribut
Nasen und Augen
Schmeckend volle Ingredienzien
Deine mandeläugigen Geheimnisse
Zu ergründen suchend
Du Schaumgeborene schenkst
Gaben des Genusses
Leib erwärmende Venus
Mich vibrieren lässt
Voll der Gunst
Dich zu leeren
Beiläufig Zähne streifend
Festes und weiches
Schmecke die Tiefe
Letzter zarter Tropfen
Einzig feuchter Höhepunkt
Kontrapunkt:
Satt
So satt bin ich, so zu gefressen,
dass mich allein der Gedanke
schon an Essen, an Trinken
ekelt.
So satt an Wut, Angst, Trauer,
die ich ich in mich fresse,
statt zu schreien, toben, wüten,
satt.
Gesättigt mein Leib
an negativen Erfahrungen,
an Verletzungen, Kränkungen, Trauer.
Satt.
So fress ich Alles in mich
tief, tiefer noch, tief
in mich, mein Leben hinein.
Ekel.
So sperre ich aus,
was ich doch brauch zum Leben,
Essen, Trinken, denn ich bin
satt.
Doch dieses Satt-Sein,
dieser Ekel, kränkt mein Selbst,
meinen Leib, mein Sein –
will so nicht mehr satt sein.


Ein poetischer Festschmaus! Kulinarische Lyrik! Ein Stern für Frau Ev!
Woah. Ich neige mein Haupt in Ehrfurcht. Einzig: ich würde mir wünschen, dass die Auflösung (Suppe) nicht schon im Titel steht. Das mag daran liegen, dass ich überraschende Auflösungseffekte mag.
Mal sehen, womit ich mich hier revanchieren kann. Eventuell… hm… ja, eine Replik auf den Kontrapunkt kann ich aus dem Archiv holen, Sekunde bitte.
Danke Euch beiden für das Lob!!!
Der Einwand, die Überschrift betreffend, ist berechtigt, war aber nicht so mutig, das Gedicht ohne diese hier so öffentlich einzustellen. Mea culpa.
Freue mich auf die Replik!