Lesen und Putzen
30. Oktober 2009 von Ev
Momentan fällt es mir etwas schwer, meinen Gedankengänge zielgerichtet zu bündeln, da von so vielen Seiten immer wieder Neues auf mich einströmt und der Wunsch nach Ruhe in mir immer drängender wird. Bei unserer alten Hündin greift der Tumor nun nach dem zweiten Auge und … ach nee, bevor ich das hier weiter vertiefe, halte ich mich jetzt mal lieber daran fest, dass ich da in Bezug auf die Glasnubsianleitung noch eine Bringschuld offen habe; zeigen möchte ich aber für heute zwei Buchschätzelein, die mir einfach so in den Schoß gefallen sind:
Ich fange mit dem braunen Buch links an:
“IM HÄUSLICHEN KREISE – Ein Lesebuch”, 1956, Bayerischer Schulbuch-Verlag
Innen ist dieser Stempel zu sehen:
Aha, Baiertal, interessant …
Angedachts des Alters des Buches sieht und fasst es sich sehr unbenutzt an. Noch bevor ich es öffnete, fiel mir auf dem Buchumschlag dieses entzückende Bildchen ins Auge:
Die betuh- und erbaulichen Texte im Inneren sollten wohl der geistigen Ertüchtigung der darin lesen sollenden Mädchen dienen, an ihr Pflichtgefühl appelieren und sie davon abhalten, sich schamlos allzu leichtfertigen Vergnügungen hinzugeben.
Das Inhaltsverzeichnis glieder sich folgendermaßen:
I. Teil: Vom Dienen und Pflichterfüllen, von Ordnung, Sparsamkeit und Opferwilligkeit
II. Teil: Von seliger Brautzeit – Mütterlichkeit als Gabe und Aufgabe – Von der schönen Gemeinsamkeit
III. Teil: Bei alten Leuten
IV. Teil: Von praktischen Dingen
V. Teil: Ein heiteres Zwischenspiel
VI. Teil: Das Leben in der Gemeinschaft
VII. Teil: Der Mensch im unendlichen All
Auf Seite 169, IV. Teil: Von praktischen Dingen, ist “Rund um das Spinnrad” von Josef Kamp mit einem schwarz-weiß Abdruck des Bildes “Spinnerinnen” von Wilhelm Leibl zu finden:
Welch ein Unterschied zu heute!
Die “Musikalischen Haus- und Lebensregeln” von Robert Schumann werden vom Farbdruck “Das Konzert” begleitet,
zum Glück aber wird nicht alles illustriert:
Ich habe das Buch kurz quer gelesen, werde die Lektüre auf jeden Fall noch vertiefen, wenn mir nach erbaulicher Sinnsuche ist; wahrscheinlich also während irgendwelcher Bahnfahrten.
Nun zu dem rosa-türkis gehaltenen Schätzchen auf der rechten Bildseite, das ich beim ersten Blick gar nicht in die Hand nehmen wollte, weil ich keinen Bock auf Putzerziehungsmaßnahmen hatte. Zum Glück setzte ich mich eine Millisekunde später aber bockig über meinen Widerwillen hinweg und wurde belohnt, denn in diesem Buch wird mitnichten die Pflege von Böden, Wänden und Decken zelebriert, sondern ganz einfach die Lehre vom Putz mit Putzfachlexikon:
“Die Putzfibel – Das Buch der Warenkunde für Putzmacherinnen mit Putzfachlexikon” von Rose Müller-Windorf, 1952, Gildeverlag
Da lacht das Herz schon beim Anblick des Stempels auf einer der ersten Seite:
Von Berlin-Charlottenburg nach Heidelberg – ich wünschte, dieses Buch könnte mir erzählen, welche Reisen es hinter sich hat! Im Gegensatz zum ersten Buch, sieht man diesem deutlich an, dass es gründlich genutzt wurde und dieser Satz auf Seite 11 gefällt mir am besten:
“… Deshalb lieben alle Putzmacherinnen ihren Beruf und sind überzeugt, dass er der schönste Beruf für alle phantasiebegabten und künstlerisch veranlagten Mädel ist.”
Herrlich! Da wünsche ich mir doch im Nachhinein, dass ich bei der Wahl meiner Berufsausbildung sorgfältiger gewesen wäre …
Auch hier eine Inhaltsangabe:
Teil I:
- Einführung in den Beruf
- Die Rohstoffe und ihre Verarbeitung

(hier zum Thema Baumwolle)
- Die chemischen Hilfsmittel der Putztechnik
- Die Erzeugung der Stoffe
- Technische Hilfsmittel
- Die Seidenstoffe und Bänder
Teil II:
- Von den Filzen

- Vom Samt
- Von den Hutstoffen
- Die Garniturmittel der Hüte
Teil III:
- Vom Flechten und von den Geflechten
- Von den Strohhüten

- Von den Pelzen
Das Putzfachlexikon
Mit besonderem Interesse habe ich einen Abriss mit dem Thema “Die Neu-Gablonzer Hutschmuck-Fabrikation” gelesen, durch den viele Kindheitserinnerungen in mir wach wurden.
Auf jeden Fall zwei tolle alte Bücher!









Sehr … äh… “süß” finde ich folgende Kapitel in Buch 1:
“Vom Dienen und Pflichterfüllen, von Ordnung, Sparsamkeit und Opferwilligkeit”
und
“Von seliger Brautzeit – Mütterlichkeit als Gabe und Aufgabe – Von der schönen Gemeinsamkeit”
Erinnert mich an Loriot. “Die Heiterkeit, die von innen kommende Heiterkeit…”
Das macht mich SO dankbar, daß ich HEUTE lebe, und nicht in der “guten alten Zeit”. Dienen und Mütterlichkeit als Aufgabe. Also ehrlich…
[...] Hier berichtete ich über zwei Buchschätzchen und die Putzfibel ist es, die besonderes Interesse in der Leserschaft auf sich zog und so blieb es nicht aus, dass ich immer wieder mal eine Anfrage bekam, ob ich mich nicht käuflicherweise von eben demselben trennen möchte. [...]
Hallo! Kann mir jemand sagen,wo ich das Buch “Die Putzfibel” von Rose Müller-Windorf kaufen kann? Liebe Grüße, Sabine Schäffer
Hallo,
das Buch taucht immer wieder mal bei ebay auf. Viel Glück!!!
Liebe Grüße,
Ev