Mein lieber Wieland Backes,
7. November 2009 von Ev
gestern war die Faszination Verbrechen Thema in ihrem Nachtcafé. Leider konnte ich Ihre Sendung nicht in Gänze verfolgen, das an tiefgehender Thematik aber, das ich mitbekommen habe, das bewegte mich in vielerlei Hinsicht.
Ich gestehe gerne, dass das Thema Krimi innerhalb der Literatur nicht meines ist. So hin und wieder streife ich dieses Genre am Rand, wirklich überzeugt hat es mich bisher aber nicht.
Der von mir hoch geschätzte Dieter Pfaff brachte es für mich auf den Punkt; auch ich will im Fernsehen, in welcher Serie auch immer, minutiöse Darstellungen der Verbrechen von und an Menschen gar nicht sehen. Es hat keinen Reiz für mich, Blut auf diverse Arten aus unterschiedlichsten Wunden spritzen, fließen und pulsieren zu sehen. Diese Melange vieler Serien aus Sex & Crime mag ich einfach nicht. Ja, in dieser Hinsicht bin ich sehr zickig.
Wütend hingegen macht es mich hingegen, wenn einem Menschen wie Herrn Zirngibel Raum eingeräumt wird, seine durchaus unterhaltsam und launig vorgetragene Sicht auf seine kriminelle Laufbahn und das, was danach kam und kommt, vorzutragen. Es interessiert mich nicht die Bohne, ob es für ihn mit 57 Jahren schwierig ist, eine seriöse Arbeit zu finden, die auch noch Spaß macht oder ob er vom Verkauf seiner Keramikfigürchen leben kann. Wenn er sagt, dass er stolz darauf ist, die Polizei lange gefoppt zu haben, dann frage ich mich: “Hallo? Geht’s noch?”
Sexy Verbrechensopferaufschneiderinnen so gut wie möglich ästhetisch bei ihrer Arbeit zu filmen, damit die Serie gut Quote macht und das, was dieser Herr da alles von sich geben durfte, bewirken meiner Meinung nach nur eines:
Eine vollkommen verzerrte Darstellung und Wahrnehmung von Kriminalität. Eine regelrechte Verbrechensverniedlichung.
Froh bin ich, dass die Kriminalhauptkommissarin Dagmar Pannoch in diesem Sinne das aussprach, wofür leider nur kurz vor dem Abspann Zeit blieb:
Opfer haben, wenn sie überleben, lebenslänglich. Herr Zirngibel überfiel 16 Banken. Wie geht es jedem einzelnen seiner Opfer eigentlich heute? Wie schwer hat er sie traumatisiert? Haben sie in ihr Leben vor diesem Tag wieder zurück gefunden? Wie würde er sich fühlen, wenn ihm ein Lauf an die Schläfe gehalten worden wäre?
Und ganz persönlich:
Nach dieser teilweise in einer Kliniknotaufnahme verbrachten Nacht interessiert es mich mit Verlaub einen Scheißdreck, was im Täter vorging. Ich sehe das, was er angerichtet hat. Alkoholisiert und ohne Vorwarnung.
Faszinierend war und ist das für das Opfer bestimmt nicht!
Hallo,
ich habe diese Sendung auch gesehen und kann mich Ihrer Meinung nur anschließend.
Bezeichnend war es wir der Kommentar von Kriminalhauptkommissarin Dagmar Pannoch bzgl. der Opfer übergangen wrude.
Auch als Fan von Krimiliteratur habe ich mich geärgert, dass (mal wieder) die Täter im Mittelpunkt stehen.
Schöne Grüße