Da fiel letztens in einem Gespräch ein Satz, der sinngemäß in sich trug, dass die Frau als Kind sich regelrecht durch Bücher fraß und so quasi unsichtbar, auf jeden Fall aber sehr unauffällig, für ihre direkte Umwelt wurde.
Als der Satz raus war, klickte etwas in mir und er war da der Geruch der vielgelesenen Seiten dieser Tage, die sich zu Monaten und schließlich Jahren formten. Ich konnte sie spüren und sehen, die unterschiedlichen Texturen der Bücherseiten. Hell, knisternd fast, die Ausgaben, die ich als Erste lieh, grau die der älteren und ganz alten Bücher, weich von den vielen Händen, die die Seiten vor mir durchliefen; manche mit diesem Geruch nach Muff, wenn man die dicke Seite des Einbands eines betagten Buches öffnete. In allen aber, egal ob Märchen, antike Mythen, archäologische Berichte, Sachbücher, Romane, in allen dieses Hinabsteigenkönnen immer neue Welten, die sie beim Lesen erschufen. Diese Angst, wenn Skylla und Charybdis vor dem Bug des Schiffes erschienen, die Komplexität altägyptischer Riten, das Wühlen durch römische und germanische Geschichte, das Miterleben, -leiden, -lachen – und dahinter versteckt ich.
Immerhin kann ich sie mittlerweile anfassen, die Scherben der Jahre, in denen ich das Lesen am gierigsten gebrauchte, ohne mir die Finger dabei blutig zu schneiden. Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich bei dem Gedanken an die Schätze, die zwischen diesen profanen Seiten bedruckten Papiers darauf warteten, von mir entdeckt zu werden, lächle. Von ganz tief drinnen. Und voller Dankbarkeit auch für den Schutz, den sie mir boten.
Als meine Mutter voll liebevollem Stolz erzählte, dass ich mit dem Ende der ersten Klasse bereits mehrere Bücher gelesen und mir das Entziffern eines sehr dicken Märchenbuchs in alten deutschen Drucklettern ganz allein beigebracht hatte, fiel mir ein, dass ich mit jedem neu gelernten Buchstaben nach der Schule vor meine Bücher von Ottfried Preussler saß und versuchte, diesen ganzen Wörtern einen Sinn zu geben. Ich begann damit, nicht zu buchstabieren, sondern Wörter als Ganzes zu sehen.
Ich würde mich niemals dazu versteigen zu sagen, dass meine Bücher meine Freunde seien, das Lesen an sich aber wird in meinem Leben immer einen extrem hohen Stellenwert haben.


Lesen ist ja auch was Tolles. Aber das wird wohl nur jemand verstehen, der auch liest!
Wenn man dann ein vorab gelesenes Buch als Film sieht, ist man meist enttäuscht, weil die Fantasie, die man reingesteckt hat, sich nicht bewahrheitet. Ging mir so bei “Die unendliche Geschichte”. Wie man Furchur als fliegenden Langhaardackel darstellen kann, ist mir immer noch ein Rätsel. Auch von der Verfilmung von Krabat war ich enttäuscht. Klar kann man die Entwicklung, die Krabat in den drei Jahren durchmacht an einem Jungschauspieler nur schlecht durchziehen. Aber die Geschichte beginnt nun mal, dass ein fast verhungerter Junge in der Mühle ankommt und sie nach drei Jahren als Mann verläßt.
Ja wie gesagt, Lesen ist was Tolles
LG
Petra
Du sprichst mir aus der Seele. Genau so ging es mir. Ich war Stammgast in unserer Bücherei. Bücher sind für mich immer noch etwas wertvolles.
Ich kann sie z.B. nicht wegwerfen. Mir tut es weh, wenn ich alte Bücher in der Papiertonne sehe und manchmal nahm ich auch schon welche davon mit, obwohl ich zu Hause Platzprobleme habe.
Heute komme ich nurmehr wenig zum Lesen. (Vielleicht muss ich mich auch nicht mehr so viel verstecken?)
LG
Marion
Hallo Ev,
das Gefühl kenn ich gut . Bei uns gehören Bücher seit jeher zum Leben. Es wurde und wird immer und überall gelesen. Damals manchmal zum Unmut meines Vaters, der mal überraschend wegen einer Panne auf der Arbeit früher nach Haus kam und meine Mutter am Tischende..meine 5 Geschwister und 2 Cousins und mich am Mittagstisch sitzen sah…alle am Suppe löffeln und jeder ein Buch vor der Nase. Das gabs nämlich nicht, wenn er zum Essen da war. Einmal bin ich mit dem Fahrrad gestürzt, weil ich die Nase im Buch stecken hatte und unbedingt auf dem Weg zur Schule noch wissen wollte, wie die – 5 Freunde- aus der Misere in der Höhle finden.
Zur Zeit lese ich mit großer Freude die Bücher von A.J. Jacobs und schmunzel vor mich hin und denke über mein eigenes Leben nach.
In diesem Sinne : Gut Buch und allzeit anregende und interessante Lektüre.
lg gudrun
Ein Leitspruch meiner Mutter ,der mich begleitet ..und ihre Kinder und Enkelkinder : Ein gutes Buch ist so wichtig wie ein Butterbrot.und die tägliche Umarmung/Lob..Körper , Geist und Seele möchten gefüttert werden.
Oh du Glückliche!
Deine Mutter “mit liebevollem Stolz.”… ach! Meine Mutter meinte immer nur, ich solle doch besser rausgehen und spielen. Alle Geburtstagsgeschenke habe ich zuvor abgetastet, ob sich in der Verpackung der ersehnte rechteckige, kantige Umriss erfühlen ließ.
Notgedrungen erlente ich mit 5 Jahren den Sütterlindruck, gab es doch im Haushalt 2 Bücher, die den Krieg überdauert hatten. An den Titel des einen kann ich mich noch erinnern “Das Mädel Peter und sein bester Freund” hieß es. Vielleicht hat mich das stärker geprägt, als ich dachte? War damals selbst mehr Junge als Mädchen.
Ganzwortmethode: wie sonst? Meine Urgroßmutter hatte mir immer vorgelesen und da ich beide Bände Grimms Märchen auswendig konnte, habe ich danach die Wörter zusammengesucht und letztlich die Buchstaben. Ich weiß noch genau, wie ich immer wieder vor dem Ausrufungszeichen kapitulierte. War das ein Druckfehler? Ein umgedrehtes i? Ich entschloss mich, es zu ignorieren. Das war sicher gut so *lach*
Vielen Dank für deine wie immer sehr interessanten Erzählungen von einer eher selten kommentierenden
Dagmar
Liebe Dagmar,
DANKE!
Ja, meine Eltern haben meine Lust am Lesen überaus gefördert, wofür ich ihnen immer sehr dankbar sein werde!
Wie gut, dass wir so vieles anders machen können!
Ich umarm Dich virtuell mit vielen Grüßen, Ev
Oh ja, das sagst Du sehr, sehr schön – es ist so wahnsinnig wichtig, auch Geist und Seele zu füttern!
Danke für Deine guten Gedanken!
Herzlichst, Ev
Liebe Marion,
wir haben es beide nicht mehr nötig, uns zu verstecken! Ja, genauso ist das!
Ganz liebe Grüße Dir, Ev
Liebe Petra,
das stimmt, zum Glück kann ich Filme und die Bücher dazu mittlerweile als vollkommen unabhängig voneinander sehen, was den Genuss oft sehr erhöht!
Hopp, ran ans nächste Buch!
Ganz liebe Grüße Dir, Ev