In der Wechselstube: Angst davor?
14. Dezember 2009 von Ev
“Alles soweit in bester Ordnung, Frau Ev!” sagt die freundliche Frauenärztin und stellt mir dann die Frage: “Macht er Ihnen Angst, dieser Weg hin zum Wechsel?”.
“Nö, überhaupt nicht” war meine Antwort.
Und das meine ich wirklich so.
Ich habe keine Angst davor, älter zu werden, was natürlich nicht heißt, dass es mir egal ist, zu erleben, wie auch mein Körper sich verändert und altert. Innen drin in mir, da gibt es kein Alter, nur Erfahrungen, die ich gesammelt, er- und gelebt habe. Außen, also da, wo Frau Ev von der Umwelt wahrgenommen wird, da ist kein Blick nach Innen möglich, da zählen nur die Fakten: Klein, dick, weiße Haare zwischen noch ganz “normal” evfarbigen, narbiges, faltiges, hängendes eben, wie das so ist bei weiblichen Wesen der Gattung Mensch, an deren Haut nur dann Kanülen und Skalpelle kommen, wenn es aus medizinischen Gründen absolut nicht zu vermeiden ist. Und außerdem meine Blicke, meine Mienen & Gesten, meine Bewegungen, mein Töne, mein Lachen. What you see is what you get and what you get ist was ich bin. So einfach ist das, was manchmal so schwer ist.
Ja, ich finde es schön, älter werden zu dürfen, denn dieses Leben, das ich habe, ist einzigartig. Natürlich gibt es Erlebtes, auf das ich gerne, sehr gerne, verzichtet hätte. Etwas, das ich bereue? Ja, alles das, was ich nicht gemacht habe
– wobei ich betone, dass ich mich über meine Leben absolut nicht beschweren kann und möchte.
Ja, ich bin auf dem Weg in einen neuen Lebensabschnitt. Dieser Weg wird mir auch weiterhin keine Angst machen. Nein, ich sehe nicht aus, als wäre ich noch knackige Mitte 20. Davon abgesehen, dass ich das als ziemlich lächerlich und unnötig empfände, bin ich überaus froh, nicht mehr die Frau zu sein, die ich bis Mitte 20 war, die sich nicht als liebens- und beachtenswert wahrnahm, die sich meistens unsichtbar machte und sich formen ließ wie ein zu weich gewordenes Stück Knetgummi. Ja, ich bin eine Frau und nehme mich sehr bewusst als solche wahr, spüre meinen Körper und seine Funktionen und nein, meine Familienplanung ist abgeschlossen, für meinen Körper wäre es definitiv kein einfacher, locker & flockig zu produzierender Akt, ein weiteres Kind zu empfangen, zu tragen und zu gebären. Ja, mag sein, dass Frauen meines Alters nicht mehr so wahrgenommen werden, wie sie wahrgenommen werden wollen – und so what? Ich habe meine Daseinsbestätigung noch nie durch meine Körperlichkeit betont wahrgenommen, sondern stets, wie langweilig, durch die, die ich innen war und bin.
Ich habe zwei Beine, die mich tragen, zwei Arme, die ich heben und zwei Hände, mit denen ich fassen kann. Oben drauf ein Kopf, zugegeben, ein schwieriger und einen Leib, der alles verbindet. Ich! Bin! Eine! Frau!
Und ich werde eine bleiben.


Ach Ev! Das ist wieder mal ein so herzmagenleibundkopferfrischender Beitrag! JA!!!
Herzlichst
Jana
Danke, Ev.
eine Umarmung und ein Lächeln…das schick ich Dir für diesen tollen Beitrag.
gudrun
Großartig dasgelegt, liebe Ev – und ich unterschreibe sofort + gerne!
Mich Jana anschließend
auch herzlichst E.
ganz ehrlich:
wenn ich meine monatlichen krämpfe und den damit verbundenen zirkus von heute auf morgen loswerden könnte: GERNE!
sofort.
wenn also jemand tauschen will, der den ganzen mist braucht, um sich “als frau” zu fühlen? bitte melden.
danke.
Manchmal sehe ich eindeutig ältere Damen (so ab 75 ) die so frisch sind, so lebensbejahend und so jung geblieben trotz Falten und eindeutiger Alterszeichen – da freue ich mich auf das noch-älter-werden!
Ich unterschreibe auch!
Sei lieb gegrüßt von
Kathi
Ich dachte immer, der Wechsel wäre schlimm, grässlich, mit Grauen verbunden, das Schlimmste im Leben einer Frau überhaupt usw.
Und, was war es letztendlich? Ohne ärztlich verordnete Östrogene (das Krebsrisiko war mir zu hoch), mit ein paar nächtlichen Schweißausbrüchen und einigen Päckchen relativ billigen Sojakapseln aus dem Supermarkt war das Ganze eigentlich ein Klacks.
Ich denke, Wechseljahre sind vor allem eine gesellschaftlich gemachte Psychokiste, die frau ganz elegant mit viel Selbstbewusstsein umschiffen sollte.
LG Heidi
Genau so solls sein – Wechseljahre sind keine Krankheit. Da wechselt eben einfach – noch einmal, schon wieder, auf ein Neues – etwas in unserem Leben. Vielleicht eine Gelegenheit für eine kleine Zwischenbilanz, einen Rückblick, um den Ausblick auf das Neue gut zu gestalten.
Danke für den erfrischenden Blick auf diese Jahre.
LG, Christine