Wie nennt man das, wenn ein Bundeswehrsoldat im Einsatz ums Leben gekommen ist?
Persönliches Pech? Schicksal? Gerechte Strafe? Das haben die Eltern jetzt davon, dass sie nicht anständig erzogen haben? Was soll’s? Uninteressant? Selber schuld? Falsche Einstellung?


In erster Linie vermutlich “tragisch”, immerhin ging damit ein Mensch, welcher vermutlich von vielen vermisst werden wird und irgendwie eine Lücke hinterlässt.
Ich überlege gerade, wie ich Tucholsky in diesem Eintrag unterbringe, aber vielleicht lasse ich es lieber…
Liebe Grüße von der
Garnprinzessin
Tragisch ist eine tolle Antwort und mal wenigstens keine von den von mir vorstehenden …
Danke-Grüße, Ev
Ähm, Berufsrisiko? Mag jetzt herzlos klingen, aber wenn man Soldat wird, sollte man sich die möglichen Konsequenzen gut überlegen. Ebenso wie Polizisten, Feuerwehrleute usw. Für die Angehörigen ist es immer schlimm, wenn ein geliebter Mensch stirbt, völlig egal welchen Beruf er ausübte.
Es grüßt das mit einem ehemaligen Soldaten liierte staubkoernchen*
Ja, Berufsrisiko, das stimmt auch!
Ich finde wichtig, dass sie als Menschen wahrgenommen werden, nicht nur negativ verbrämt als jemand, der ja alles hätte anders machen können und überhaupt …
Ganz liebe Grüße Dir, Ev
Tucholsky fällt mir dazu auch als erstes ein. Wer sich zum Töten ausbilden lässt, fremde Länder grundlos überfallt, muss damit rechnen, dass sich Betroffene wehren.
Das Wort Krieg wird von den Politikern nicht in den Mund genommen, da das versicherungsrechtliche Folgen hätte. Dann hätten nicht die Kranken- und Rentenkassen für verletzte Soldaten zu zahlen, sondern der Staat, der sich mit dieser schwachsinnigen Umformulierung “Friedenseinsatz” auch den Ansprüchen von Soldatenwitwen und jeglicher Verantwortung entzieht.
Heidi
Liebe Heidi,
ich denke, dass sich jemand nicht nur zum Soldaten ausbilden lässt, um sich zum Töten ausbilden zu lassen. Das ist mir zu einfach und zu plakativ. Mal ganz davon abgesehen, dass kein einziger unserer Bundeswehrsoldaten z. B. Afghanistan grundlos überfallen hat. Mein Vater war Berufssoldat, als potentiellen Mörder habe ich ihn nie gesehen, habe auch nie Anlass dafür gesehen oder gehabt, mich für seine Berufswahl zu schämen oder rechtfertigen zu müssen, auch wenn ich meist völlig anderer Meinung war als er. Wenn sich ein Mensch dazu entscheidet, sich als Soldat zu verpflichten, dann hat das vielfältige Gründe, die man nicht gutheißen muss, aber akzeptieren sollte, mir würde es nie im Traum einfallen, den Eltern eines möglichen Soldaten vorzuwerfen, dass sie in ihrer Erziehungsaufgabe versagt haben. Ich meine damit jetzt nicht Dich, gehört habe ich solche Sätze aber auch schon und ich muss sagen, dass sie mich jedes Mal sehr fassungslos gemacht haben.
Das sich Betroffene wehren, das stimmt – beileibe nicht jeder Soldat wurde oder wird, ich beziehe mich jetzt einfach wieder auf Afghanistan, getötet, weil er als Aggressor auftrat. Unvermutete Anschläge, die hat es auch gegen die Soldaten gegeben und hinter jedem Einzelnen dieser Getöten steckt eine Familie, ein Schicksal, Menschen die trauern – auf der einen, wie auf der anderen Seite.
Zu Deinem zweiten Absatz hast Du meine uneingeschränkte Zustimmung und ich für meinen Teil lehne den militärischen Einsatz unseres Landes dort unten ab. Auf der anderen Seite ist es aber auch nicht so, dass die Bevölkerung dort vollkommen unzufrieden mit diesem Einsatz ist, auch das ist Fakt, wird auch immer wieder in Berichterstattungen erwähnt. Das, was in diesem Land betreffend der Position der Frauen passiert und passieren könnte, steht auf einem ganz anderen Blatt und macht mich unendlich dankbar, dass ich nicht unter einer solchen Bedrohung leben muss.
Rundum ein wichtiges Thema, zu dem sich ein einheitlicher Konsens nie erreichen lassen wird. Für mich ist wichtig, Soldaten nicht nur mit Häme als Zahlen, Statistiken, Berufsbezeichnung wahrzunehmen, sondern als Menschen, auf die ich nicht den ersten Stein werfen möchte.
Ganz liebe Grüße Dir, Ev
Mit Deinem zweiten
Hallo Ev,
es mag ja sein, dass ein kurzer Kommentar auf einen Blogeintrag plakativ wirkt, aber es würde den Rahmen sprengen, würde ich die Geschichte meiner (pazifistisch orientierten) Familie und den damit verbundenen Gräueltaten von hörigen Soldaten hier niederschreiben.
Krieg war bei uns nie ein Tabuthema, der Opa wurde nicht durch nicht erwähnen des Krieges geschont, ihm wurde einfach zugehört. Mein traumatisierter Vater, der mit 17 an die Ostfront musste, hatte Glück, bei Kassel war der Krieg zu Ende und er ist zu Fuss nach Hause gelaufen.
In Afghanistan werden meine Sicherheit und meine Freiheit nicht verteidigt sondern gefährdet. Aufgrund eines strunzdummen Alkoholikers, der überall Feinde witterte, wurde die Welt ein ganzes Stück weit unsicherer. Wo bitte werden in einem der ärmsten Länder der Welt massenhaft Anführer irgendwelcher Terrorbanden vermutet? Deutschland wurde auch zerbombt, weil die Amis hinter jedem Baum Hitler vermuteten….
In der “Le Monde diplomatique” vom Dezember 2009 steht ein sehr interessanter Artikel zum Thema Kundus.
Liebe Grüße
Heidi
Liebe Heidi,
auch, obwohl und gerade wegen dem, was meine Eltern erlebten, war und ist meine Herkunftsfamilie und meine jetzige pazifistisch orientiert. Nein, ein höriger Soldat war mein Vater bestimmt nie zu irgendeinem Zeitpunkt! Er hat sich bewusst für seinen Weg entschieden, eben auch wegen dem, was er für sich als Person im Krieg an Gräueltaten und danach erlebt hat, was ihn schwersten traumatisierte. Das war einfach so und wenn Du sagst, dass es den Rahmen sprengt, wenn man man das alles hier nieder schreibt, dann kann ich Dir nur zustimmen. Krieg war auch bei uns nie ein Tabuthema.
Ich möchte betonen, dass es mir hier nicht um Kundus geht, sondern darum, dass Soldaten nicht nur Soldaten sind, sondern auch Menschen. Dass sie nicht per se Mörder, Totschläger, Fehlgeleitete, Hörige sind. Ich habe zu Kundus eine eigene Meinung, das habe ich ja oben auch schon geschrieben. Krieg, egal wann, egal wo, ist nicht fair, war noch nie fair, wird nie fair sein. Jemanden einen Friedensnobelpreis zu verleihen, der die Zahl seiner Soldaten aufstockt, ist auch nicht fair. Kopenhagen ist nicht fair, auch das ist Krieg, ein anders gearteter. Ob deutsche Städte aus Massenhysterie zerbombt wurden, kann ich nicht beurteilen. Hätte eine der ersten Bomben den Herrn mit der Rotzbremse unter der Nase und seine Entourage erwischt, würde sich heute wohl darüber keiner beschweren, ganz im Gegenteil, dann wäre den Menschen dieser Zeit viel erspart geblieben. Und nachwievor können wir über jede Person vom Format eines Stauffenberg stolz sein.
Meinst Du diesen Artikel:
Exotische Feindbilder und moderne Gotteskrieger in Afghanistan?
Ja, ich bin Pazifistin und werde das immer sein.
Ich denke, sich über ein solches Thema schriftlich auszutauschen, wird immer die Möglichkeit zu Fehlinterpretationen bergen, weshalb ich denke, dass wir es hier nicht weiter vertiefen sollten. Solche Gespräche führe ich lieber von Angesicht zu Angesicht.
Mit herzlichen Grüßen von Pazifistin zu Pazifistin, Ev
Ich meinte Mitmischen In Afghansitan
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2009/12/11.mondeText1.artikel,a0011.idx,10
LG Heidi
Na, dazu passt ja bestens, dass die USA mittlerweile China gegenüber höchstverschuldet sind … Ausverkauf der modernen Art …